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Außer Kontrolle

Die Zeit

Was wir im Internet sehen? Das bestimmen Maschinen. Wie Zauberlehrlinge haben die Internetkonzerne eine Macht entfesselt, die sie nicht bändigen können.

An einem Tag im November hatte James Bridle die Nase voll. Der Künstler, der sich in seinen Werken viel mit der digitalen Welt beschäftigt, wollte eigentlich an seinem Buch arbeiten, das in diesem Jahr unter dem Titel New Dark Age erscheinen soll. Stattdessen schrieb er sich seinen Frust in einem Artikel von der Seele und stellte den Text auf die Website Medium. „Etwas stimmt nicht mit dem Internet“ lautete der Titel. Zwei Millionen Menschen haben den Beitrag bislang gelesen.

Bridle steht nicht im Verdacht, ein Technikfeind zu sein. Seit seinem 13. Lebensjahr nutzt der heute 30-Jährige das Internet; im Selbststudium hat er sich die Techniken beigebracht, mit denen selbstfahrende Autos funktionieren. Sein Zorn richtete sich auch nicht primär gegen mangelnden Datenschutz oder nervige Online-Werbung. James Bridle, selbst kinderlos, sorgte sich um die Kinder.

In den Recherchen für sein Buch war er tief in eine Welt eingedrungen, die den meisten Erwachsenen unbekannt ist – selbst denen, die ihren Sprösslingen im Restaurant ein iPad in die Hand drücken, um Ruhe zu haben. Bridle entdeckte auf YouTube und im dazugehörigen Kinderkanal YouTube Kids Videos, die er erst skurril fand, dann aber regelrecht gefährlich. Es handelte sich nicht um ein Nischenphänomen, sondern um Filmclips, die millionen-, teilweise milliardenfach abgerufen worden waren 

Die Angst der Träumer

Die Zeit

Tausende Studierende leben illegal in den USA. Unter Donald Trump wächst die Ungewissheit dieser „Dreamer“ täglich. Besuch bei zweien, die nicht aufgeben.

Mayra Lozano stammt aus Mexiko. Sie ist 22, aber sie hat das Land seit ihrem fünften Lebensjahr nicht mehr gesehen. Die Studentin der weltweit bekannten University of California in Berkeley, USA, hat keine Erinnerungen an ihr Heimatland, es ist ihr fremd. Sie spricht akzentfreies Englisch und kennt den Fahneneid auswendig, der an vielen amerikanischen Schulen morgens abgelegt wird. Aber ständig schwebt die Gefahr über ihr, dass es eines Tages bei ihr klingelt und sie abgeschoben wird in ihre fremde Heimat. Denn Mayra ist illegal in dem Land, in dem sie seit ihrer Kindheit lebt.

Mayra ist ein „Dreamer“. So heißen die jungen Menschen ohne amerikanische Ausweispapiere, die im Kindesalter von ihren Eltern in die USA gebracht wurden, meist über die Grenze zu Mexiko. Die Bezeichnung leitet sich ab vom Dream Act, einem überparteilichen Gesetzesentwurf, der seit 2001 immer wieder verhandelt, aber nie vom Kongress verabschiedet wurde

Um nicht zu diskriminieren, müssen wir manchmal diskriminieren

Simons Institute Newsletter

Wir alle streben danach, in unseren Entscheidungen Menschen nicht aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Hautfarbe zu diskriminieren – etwa wenn wir Bewerberber für einen Job auswählen. Diskriminierung ist gesetzlich verboten, und oft steht in diesen Gesetzen explizit, dass gewisse Persönlichkeitsmerkmale bei der Beurteilung von Menschen nicht herangezogen werden dürfen. Aberdiese Annahme ist falsch – mathematisch beweisbar falsch

(Artikel in Englisch)

Kids & Codes

Die Zeit

Müssen Kinder programmieren lernen? Nein, es reicht, wenn sie verstehen, wie Computer arbeiten.

Wenn es die Kanzlerin sagt, muss es ja stimmen: „Ich glaube, dass die Fähigkeit zum Programmieren eine der Basisfähigkeiten von jungen Menschen wird, neben Lesen, Schreiben, Rechnen.“ Das sagte Angela Merkel bei der Eröffnung der Computermesse Cebit in diesem Jahr, und auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama (sein Nachfolger hat sich noch nicht zum Thema geäußert) forderte seine jungen Bürger auf, das Coden zu lernen: „Kauft nicht einfach nur ein neues Videospiel – macht eins. Ladet nicht nur die neueste App runter – helft dabei, sie zu entwickeln. Spielt nicht nur auf eurem Telefon – programmiert es.“

Flammende Teufelswinde in der Regenzeit

Zeit Online

Wieder brennt es gewaltig in Kalifornien. Dabei ist die Saison schon vorbei. Während auch Stars wie Beyoncé flüchten, fragen sich viele: Ist das jetzt der Klimawandel?

Vielleicht ist es für viele tröstlich, zu wissen, dass die Naturgewalten auch vor Promis wie Jay Z, Beyoncé und Rupert Murdoch nicht haltmachen. Das Nobelviertel Bel Air in Los Angeles geriet in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen, weil dort einige Häuser Opfer der Flammen wurden. Viel schlimmer aber wüten die Brände nordwestlich von Los Angeles, in den Küstenstädten Ventura und Oxnard. Etwa 300 Häuser brannten nieder, Siedlungen, in denen rund 200.000 Menschen leben, wurden evakuiert

 

Allzu griffig zugespitzt

Die Zeit

Wie viele Menschen starben aufgrund des Dieselskandals? Die Frage sorgt für Streit unter Statistikern.

Der VW-Abgasskandal hat Menschenleben gekostet. 500 Deutsche sind vorzeitig gestorben, weil Volkswagen bei den Abgaswerten geschummelt hat und die Dieselfahrzeuge der Firma mehr Schadstoffe ausstießen als erlaubt. Das jedenfalls steht in einer wissenschaftlichen Arbeit, die im März in der Zeitschrift Environmental Research Letters erschien. Diese Veröffentlichung steht nicht allein: In den USA hat Volkswagen 59 vorzeitige Todesfälle auf dem Gewissen, berichtete vor zwei Jahren dieselbe Zeitschrift. Sogar für Kalifornien hat ein Forscherteam die Zahlen berechnet: Dort starben zwölf Bewohner zwischen 2009 und 2015 zu früh, weil VW-Fahrzeuge die Luft verpesteten

Unwiderstehlich

Die Zeit

Was die magische Anziehungskraft des Smartphones im Straßenverkehr bedeutet

Jeder weiß, wie gefährlich es ist, aber die meisten tun es trotzdem. Piept das Smartphone, kann kaum jemand dem Reflex widerstehen, sofort nachzuschauen, was für eine Nachricht da angekommen ist, auch nicht am Steuer. Und das hat Folgen: Mindestens 300 Deutsche sterben jährlich, weil ein Autofahrer nicht die Finger (und vor allem die Augen) vom Handy lassen konnte. Das sind mehr als jene rund 250 Todesopfer, welche auf Alkohol am Steuer zurückzuführen sind. Das Smartphone, sagen Experten deshalb, ist in den zehn Jahren seiner Existenz zum Unfallrisiko Nummer eins geworden

Junges Blut gegen Altersdemenz

Deutschlandfunk

Spritzt man alten Mäusen Blut junger Artgenossen, finden sie besser durch Labyrinthe. Diese Beobachtung testen zwei Forscher in den USA derzeit auf Tauglichkeit als potenzielle Abhilfe gegen Altersdemenz bei Menschen – und fühlen sich durch eine erste Studie bestätigt.

„Blut ist ein ganz besonderer Saft“, sagte Mephistopheles in Goethes „Faust“ und ließ diesen den Teufelspakt mit Blut unterschreiben. Blut ist das Elixier des Lebens, dachte sich auch Anfang des 17. Jahrhunderts die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory, die angeblich junge Frauen töten ließ, um in ihrem Blut zu baden. Sie erhoffte sich, davon wieder jünger zu werden. Wirklich teuflisch.

Ganz so brutal ist der Schweizer Forscher Tony Wyss-Coray, der im kalifornischen Stanford forscht, bei seinen Experimenten nicht vorgegangen. Aber ein bisschen makaber waren die auch: Der Mikrobiologe nähte Mäuse paarweise zusammen, immer eine junge und eine alte Maus, so dass sie einen gemeinsamen Blutkreislauf hatten. Parabiose nennt man das. Die Folge: Bei der alten Maus, die schon Zeichen von Demenz zeigte, bildeten sich neue Hirnzellen

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Ziffern der Zärtlichkeit. Die nackte Wahrheit über die Liebe in Deutschland

Focus

Wir schwärmen von Romantik und sehen gern Pornos, wir bestehen auf Treue und gehen doch fremd. Eine große Umfrage zeigt: Die Deutschen lieben tolerant. Die sexuelle Revolution ist vollzogen.

Eine hohe Meinung vom Liebesspiel seiner Landsleute lässt der bekannteste deutsche Sexualwissenschaftler nicht erkennen. Volkmar Sigusch, 77, Psychiater, langjähriger Institutsleiter und Autor zahlreicher einschlägiger Bücher, sprach 2015 vom „Coitus germanicus simplex“. Er beklagte öden Karnickelsex – „rein, raus, fertig“. Im Land herrsche libidinöses Elend mit „aufgepeitschten Nerven, enttäuschter Liebe und unendlicher Einsamkeit“. Es sei ein Trauerspiel. 

Die Feuerwalze kam aus dem Nichts

Zeit Online

Nie zuvor in der Geschichte hat Kalifornien schlimmere Brände erlebt. Dabei ist der US-Bundesstaat Flammen gewohnt. Drei Faktoren ließen das Feuer nun katastrophal wüten.

So schöne Sonnenuntergänge wie in den vergangenen beiden Tagen hat San Francisco lange nicht erlebt. Glutrot hing die Sonne in den Abendstunden über der Stadt, eine fast unnatürlich erscheinende Färbung. Ursache für das Naturschauspiel sind die Aschepartikel in der Luft. Die kalifornische Metropole, sonst bekannt für die kühle Meeresbrise, die vom Pazifik weht, verzeichnet seit Tagen eine Luftqualität wie Peking. Die Schulkinder dürfen in der Pause nicht draußen spielen, es sind weniger Radfahrer auf den Straßen zu sehen, Gesichtsmasken sind ausverkauft