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Wetten, die Welt geht unter?

Die Zeit

Als der Teilchenbeschleuniger LHC an den Start ging, begann ein kurioses Gewinnspiel: 500 Dollar auf die Apokalypse! Jetzt ist Zahltag.

Panische Aufrufe im Internet, Todesdrohungen gegen beteiligte Forscher und mehrere Versuche, ein Experiment per Klage vor Gericht zu stoppen: Als vor zehn Jahren am europäischenKernforschungszentrum Cern der Large Hadron Collider (LHC) in Betrieb genommen wurde, war die Aufregung gewaltig. Einige Zeitgenossen fürchteten, der riesige Teilchenbeschleuniger könne die Welt zerstören. Denn ein Tübinger Wissenschaftler hatte behauptet, in den hochenergetischen Kollisionen der Elementarpartikeln könnte möglicherweise ein winziges Schwarzes Loch entstehen, welches immer weiter anwachsen und am Ende die Erde verschlucken werde. Als dann am 10. September 2008, einem Mittwoch, die ersten Protonen durch den Ringbeschleuniger geschickt wurden, rechneten die Warner mit dem Schlimmsten.

Während in Europa die Diskussion zwischen Apokalypse und Amüsement pendelte, ging bei der Long Now Foundation in San Francisco eine sportliche Wette ein. Ein gewisser Joe Keane wettete 500 Dollar darauf, dass der LHC binnen zehn Jahren die Erde zerstören werde 

Fahndung im Stammbaum

Die Zeit

Mit Genetik und Ahnenforschung klären Ermittler in den USA Gewalttaten auf, die Jahrzehnte zurückliegen.

Paul Holes saß in seinem geparkten Auto in Citrus Heights, einem Vorort der kalifornischen Hauptstadt Sacramento, und beobachtete ein Haus auf der anderen Straßenseite. Es war der 29. März dieses Jahres, und der Ermittler der Staatsanwaltschaft von Costa County stand vor der vielleicht schwersten Entscheidung seiner Laufbahn. Sollte er hinübergehen, klingeln und Joe DeAngelo ins Gesicht sagen, dass er ihn für den seit Jahrzehnten gesuchten Golden-State-Killer hielt? Es wäre die Krönung seiner Karriere gewesen, an seinem letzten Arbeitstag – am nächsten Tag stand seine Frühpensionierung mit 50 Jahren an 

Raus mit der Meinung!

NZZ Folio

Trump-Wahl, Brexit, Minarett-Initia­tive: Spektakuläre Fehlprognosen haben den Ruf der Meinungsforschung beschädigt.

Eine repräsentative Meinungsumfrage in den USA fand im März heraus: Nur 37 Prozent der Amerikaner vertrauen Meinungsumfragen, 60 Prozent trauen ihnen nur wenig oder gar nicht.

Konsequenterweise müsste nun eine Mehrheit auch diese Zahlen anzweifeln. Doch es ist kein Wunder, dass die Demoskopen im Moment etwa ein so hohes Ansehen geniessen wie Wahrsagerinnen. Zu oft lagen die Meinungsforscher in den letzten Jahren eklatant daneben: Sie sahen weder den Sieg der Konservativen bei den vorletzten Parlamentswahlen in Grossbritannien voraus noch das Votum für den Brexit; in der Schweiz prognostizierten sie fälschlicherweise eine Ablehnung der Minarett-Initiative; in Deutschland unterschätzten sie lange Zeit die Rechtspartei AfD. Die spektakulärste Fehlprognose lieferten sie bei den US-Wahlen im November 2016. Noch am Wahlmorgen gab die «New York Times» Hillary Clinton eine 85prozentige Siegeschance. Als die Ergebnisse dann eintrudelten, konnten die Nutzer im Netz sehen, wie die Wahrscheinlichkeit eines Sieges von Clinton innerhalb weniger Stunden auf null sank.

Aber die Häme, mit der die Meinungsforscher darauf überschüttet wurden, ist ungerecht 

„Gereizt, zynisch und paranoid“

Die Zeit

Der Internetexperte Jaron Lanier fordert in seinem neuen Buch: Löscht eure Facebook- und Twitter-Accounts! Ein Gespräch über die subtile Beeinflussung der sozialen Medien und die massive Zunahme negativer Emotionen.

DIE ZEIT: Herr Lanier, Ihr neues Buch trägt die Botschaft schon im Titel: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst. Dabei haben Sie doch selbst gar keine Social-Media-Accounts, weder auf Facebook noch auf Twitter. Wie können Sie da anderen Ratschläge geben?

Jaron Lanier: Ich habe Erfahrungen auf der anderen Seite des Vorhangs gesammelt. Ich kenne diese Firmen, ich habe an entsprechenden Algorithmen gearbeitet. Ihre Frage suggeriert, dass man erst Opfer eines Trickbetrügers werden muss, bevor man andere vor ihm warnen kann 

Das Interview mit Jaron Lanier habe ich mehrmals verwertet, auch im Radio. Hier gibt es weitere interessante Ausschnitte daraus:

Eine Überdosis Facebook

Die Zeit

Sie haben bei Google oder Twitter gearbeitet – dann entdeckten sie die schädliche Seite der sozialen Medien. Aussteiger aus dem Silicon Valley kritisieren die Firmen jetzt als asozial, deren Angebote süchtig machten. Sie verweisen auf Alternativen.

So langweilig wie möglich versucht Tristan Harris sein Smartphone zu machen. Die Anzeige ist nicht bunt, sondern schwarz-weiß. Auf dem Start-Bildschirm sind nur die notwendigsten Apps zu sehen. Und Harris hat allen Anwendungen verboten, dass sie ihn mit piepsenden, vibrierenden Mitteilungen nerven. Nur Nachrichten von echten Menschen dürfen um seine Aufmerksamkeit buhlen, zum Beispiel eine SMS.

Mit dieser Smartphone-Askese will sich Harris persönlich abschirmen gegen die unzähligen technischen Ablenkungen in seinem Alltag. Seine Mission aber sieht Harris, ein ehemaliger Google-Mitarbeiter, im Kampf gegen den Aufmerksamkeitsdiebstahl durch die großen Silicon-Valley-Firmen in unser aller Alltag. Dafür hat er im Kernland der digitalen Revolution zusammen mit anderen Abtrünnigen das CHT gegründet, das Center for Humane Technology („Zentrum für humane Technologie“). Lassen sich Google, Facebook und Co. menschlicher gestalten? 

Jetzt will Mark uns verkuppeln

Zeit Online

Facebook wird dank einer neuen Datingfunktion zur Partnerbörse. Das ist nur konsequent und könnte ziemlich erfolgreich sein: Das soziale Netzwerk ist das Ur-Tinder.

Mark Zuckerberg hatte gestern die schwierige Aufgabe, mit seiner Rede zum Auftakt der Entwicklerkonferenz F8 in San José zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Erstens die Entwickler und Entwicklerinnen im Saal – 5.000 Menschen, die teilweise als Ein-Personen-Firmen davon leben, das Ökosystem des sozialen Netzwerks um neue Anwendungen zu bereichern, und dabei an Facebooks Datenschnittstelle wie an einer Nabelschnur hängen.

Zweitens die allgemeine Öffentlichkeit, die sich in den vergangenen Monaten vor allem über Facebooks schludrigen Umgang mit ebendiesen Daten erregt hat. Die beiden Gruppen haben durchaus widerstrebende Interessen: Einige Entwickler waren in letzter Zeit erbost darüber, dass sie nach der Affäre um Cambridge Analytica nicht mehr so umfassenden Zugriff auf die Profile der Nutzer hatten wie früher.

Der Facebook-Chef bemühte sich redlich, es beiden Seiten recht zu machen  

Diese Facebook-Einstellungen müssen Sie beachten

Zeit Online

Facebook führt neue Datenschutzoptionen ein. Was zunächst europäische Nutzer betrifft, soll weltweit umgesetzt werden. Kritiker hatten sich jedoch mehr erhofft.

Die europäischen Facebook-Nutzer und -Nutzerinnen werden Ende dieser Woche eine Meldung auf ihrem Bildschirm finden, in der sie gebeten werden, einige Einstellungen zum Datenschutz vorzunehmen. Anders als sonst können sie dieses Fenster nicht einfach wegklicken, sondern müssen ihr Häkchen an den Optionen setzen, bevor sie wie gewohnt in ihrem Newsfeed die Nachrichten ihrer Freunde und Meldungen aus aller Welt lesen können.

Willkommen in der Welt der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)! Dieses überarbeitete Regelwerk tritt zwar erst am 25. Mai in Kraft, aber das soziale Netzwerk hat sich entschieden, seine Plattform schon jetzt an die neuen Regeln anzupassen. 

100 Sekunden Wissen: Encephalophon

SRF2

Ein Instrument zu erlernen erfordert jahrelange Übung. Vor allem Anfänger sind oft frustriert, weil sie die Musik, die sie sich vorstellen, nicht aufs Instrument übertragen können. Wäre es nicht toll, wenn wir eine Melodie nur denken müssten, und schon käme sie aus dem Instrument heraus? Über einen Versuch, diese Fantasie technisch umzusetzen.

(Peinlich: Ich habe mich verplappert und EKG statt EEG gesagt.)

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Hat Facebook Hochverrat begangen?

Zeit Online

Der Facebook-Skandal geht weit über den fehlenden Datenschutz hinaus, sagt Silicon-Valley-Insider Hugh Dubberly. Den Tech-Konzern zähmen könne nur Europa.

Hugh Dubberly gestaltet das Silicon Valley seit mehr als 30 Jahren mit: Er verantwortete das Design der frühen Apple-Produkte und gestaltete den Internetbrowser Netscape. Heute berät er mit seiner eigenen Agentur unter anderem Google, Amazon und Facebook.

ZEIT ONLINE: Mr. Dubberly, Mark Zuckerberg schrieb am Mittwoch auf Facebook: „Es ist unsere Verantwortung, eure Daten zu schützen, und wenn wir das nicht können, verdienen wir es nicht, euch zu dienen.“ Also: Verdient Facebook es noch, uns zu dienen? Oder was muss geschehen, damit sie es wieder verdienen?

Hugh Dubberly: Ich würde die Frage gerne erweitern und darüber reden, dass die Gefahren größer sind, als den Leuten bisher klar ist. Im Moment konzentriert sich die Presse darauf, dass ein Hochschulforscher in Großbritannien Daten genommen und sie an Cambridge Analytica weitergeleitet hat, unter Verletzung von Facebooks Geschäftsbedingungen. Das alleine ist schlimm genug, aber wir müssen das im größeren Kontext der amerikanischen Wahlen, des Brexit, der deutschen, französischen und italienischen Wahlen sehen