Leben im Grünen, ein Spiel mit dem Feuer

Zeit Online

Jedes Jahr brennen Häuser ab, der Klimawandel verstärkt die Waldbrände. Warum bauen Kalifornier weiter Holzhäuser am Waldrand? Aus guten Gründen, sagt ein Feuerforscher.

Die Menschen in Kalifornien – sie sind bekannt für ihre Zuversicht. Doch im Moment ist die Stimmung auf dem Nullpunkt, selbst bei denjenigen, die nicht direkt vom Feuer betroffen sind – in San Francisco etwa. Seit einem halben Jahr sind sie durch den Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie weitgehend ans Haus gefesselt, der Qualm, der von den mehr als 7.000 Brandherden im Staat herüberweht, macht nun auch gelegentliche Ausflüge in die Natur unmöglich. In San Francisco wurde es am vergangenen Mittwoch gar nicht erst hell, der rötliche Dämmerzustand erinnerte an Szenen aus dem dystopischen Science-Fiction-Film Blade Runner 2049.

An den Tagen danach war die Sonne wieder zu sehen, dafür stieg die Partikelbelastung der Luft an und pendelt seitdem zwischen den Alarmstufen Rot und Violett. In das Entsetzen über die Feuersbrünste und das Mitgefühl mit denen, die gerade ihre Häuser verlieren oder verlassen müssen, mischt sich in diesen Tagen auch der verbreitete Spruch: selbst schuld! Wer am Rand der trockenen Wälder baut, noch dazu ein US-übliches Holzhäuschen, der muss sich nicht wundern, wenn bei einem der periodisch auftretenden Waldbrände das Eigenheim in Flammen aufgeht. Die Natur strafe solchen Leichtsinn umgehend ab.

Wenn er solche Sprüche hört, wird Keith Gilless ungehalten

In Utopia brennt die Hütte

Zeit Online

Kalifornien und vor allem San Francisco sahen sich immer als gesellschaftliche Vorreiter der USA. Belagert von Corona und ausufernden Waldbränden verändert sich einiges.

Die Einwohner von San Francisco verlassen das Haus nicht ohne Maske. Sie sind vorbildliche Corona-Bürger – aber seit einer Woche gibt es noch einen anderen Grund: Je nachdem, wie der Wind steht, riecht die Luft beißend nach Qualm und die Sonne ist nur noch ein orangefarbener Ball hinter Staubwolken. Rund um die Stadt lodern Waldbrände, die größten seit Menschengedenken. Ein Ausflug in die Berglandschaft nördlich der Golden Gate Bridge oder in die Weingegend um Napa und Sonoma, bisher ein Lichtblick in der tristen Corona-Einsiedelei, ist zunehmend unmöglich.

So sitzt man zu Hause und „doomscrollt“, wie das zwanghafte Suchen nach immer neuen Katastrophenmeldungen im Internet genannt wird. Wenn es noch den Strom dafür gibt – der Energieversorger PG&E hat damit begonnen, in sogenannten Rolling Blackouts regelmäßig dem Strom in Teilen des Landes abzustellen

Das mächtige Netzwerk

Zeit Online

800 Millionen User nutzen die chinesische App TikTok. Jetzt droht Donald Trump, sie zu verbannen. Warum interessiert sich der US-Präsident für eine App voller Tanzvideos?

Von Philipp Daum, Christoph Drösser, Julia Kopatzki, Eike Kühl, Meike Laaff, Katharin Tai und Vanessa Vu

Als Alex Zhu vor rund einem Jahrzehnt in einem Zug Jugendliche beobachtet, die Musik hören, ihre Lippen dazu bewegen und sich dabei filmen, dürfte er nicht geahnt haben, dass er bald eines der größten sozialen Netzwerke der Welt erfinden würde, genutzt von Hunderten Millionen Menschen weltweit, schneller wachsend als alle anderen: Facebook, Instagram, Twitter, Snapchat.

Noch unwahrscheinlicher, dass er ahnte, dass er einen der mächtigsten Männer der Welt zum Feind haben würde: den amerikanischen Präsidenten

Im unheimlichen Tal der sprechenden Maschinen

Zeit Online

Wenn Kunst an den Ort kommt, dessen Technologien sie kritisiert: Eine Ausstellung in San Francisco befasst sich mit KI. Die wird unweit im Silicon Valley entwickelt.

Wenn Kunst von künstlicher Intelligenz handelt, nennt man es üblicherweise Science-Fiction. Romane, Filme, Fernsehserien, aber auch bildende Kunst erzählen seit Langem davon, dass die Maschinen immer schlauer werden. Das hat in der Fiktion meist katastrophale Folgen.

Science-Fiction jedoch war es gerade nicht, die Claudia Schmuckli, Kuratorin am De Young Museum in San Francisco, im Sinn hatte, als sie nach Exponaten für die Ausstellung Uncanny ValleyBeing Human in the Age of AI suchte. „Diese futuristischen Visionen sind extrem wichtig und haben auch unsere Vorstellungen von künstlicher Intelligenz geformt, seit diese Mitte der Fünfzigerjahre ein Thema wurden“, sagt Schmuckli. Sie jedoch habe interessiert, ob es in der Kunst nicht auch Ideen von künstlicher Intelligenz (KI) gebe, die in der heutigen Realität fußen

Dazu gibt es auch einen Radiobeitrag beim Deutschlandfunk/Corso.

„Es ist nichts Innovatives, wenn man die Leute unterbezahlt“

Zeit Online

Kalifornien wollte die Firmen Uber und Lyft zwingen, ihre Fahrer fest anzustellen. Heraus kam ein Gesetz, das viele Freiberufler in anderen Branchen zu ruinieren droht.

Die sogenannte Gig Economy ist ein Paradies für den Verbraucher: Per Handy-App ruft man sich ein Auto von Uber oder Lyft, wird für einen Bruchteil der Kosten einer Taxifahrt an sein Ziel gebracht, muss nicht im Portemonnaie nach Kleingeld suchen, die Bezahlung samt Trinkgeld wird über die App abgewickelt. Der Kunde ist König.

Aber sind die Fahrer nicht auch besser dran als ihre Kollegen, die in herkömmlichen Jobs bei einem Taxiunternehmen beschäftigt sind? Sie müssen keine Schichten schieben, sondern setzten sich in ihr Auto und loggen sich ein, wann und wo immer sie Lust haben. Ob sie fünf Stunden pro Woche arbeiten oder achtzig, bleibt ihnen selbst überlassen. Als selbstständige Unternehmer müssen sie sich von niemandem sagen lassen, was sie zu tun haben.

Das klingt zu schön, um wahr zu sein – und das ist es auch, glauben kalifornische Politiker. Der Senat des Staates hat ein neues Gesetz verabschiedet, Kürzel „AB 5“, seit dem 1. Januar 2020 ist es mit der scheinbaren Selbstständigkeit der Fahrer von Personen- und Kurierdiensten aus. Die meisten von ihnen sollen nun von ihren Arbeitgebern fest angestellt werden – mit allen Vor- und Nachteilen, die das bringt

Wie ich für mein Kind zur Dragqueen wurde

Die Zeit
Dazu auch ein Beitrag in „Echtzeit“ beim Deutschlandfunk Kultur

Die öffentlichen Schulen in den USA sind auf Spenden der Eltern angewiesen. Christoph Drösser sammelt regelmäßig Geld für die Bildung seines Sohnes – in Frauenkleidern.

Das letzte Mal haben wir es im März getan. Mein Kompagnon Vince und ich standen wieder als Dragqueens auf der Bühne des kleinen Travestie-Clubs in unserem Viertel und haben uns mit Dollarscheinen bewerfen lassen. Wir tun das nur für unsere Kinder. Vince’ Tochter geht mit meinem Sohn in die dritte Klasse der örtlichen Grundschule hier in San Francisco. Natürlich bleiben die beiden draußen, wenn ihre Väter als „Rainbow Sisters“ auf der Bühne stehen – in Stilettos, Spitzenhandschuhen, Netzstrümpfen und mit Reisbeuteln ausgestopften BHs. Zusammen mit mehreren anderen Akteuren haben wir in diesem Jahr rund 40.000 Dollar zusammenbekommen, der größte Teil davon ging an die Schule.

Zugegeben, das ist eine extreme und nicht gerade jugendfreie Form des Fundraisings für öffentliche Schulen, wie es sie wohl nur im Castro geben kann, der LGBT-Hochburg des liberalen San Francisco. Aber Spendenaktionen kennen alle Eltern, die ihr Kind in den USA auf öffentliche Schulen schicken. Sie backen Kuchen, veranstalten Schulfeste, betteln Nachbarn und Verwandte an. Die öffentlichen Schulen sind kostenlos, viele könnten ohne Spenden aber gar nicht existieren. Es geht nicht um Extras wie Ballettunterricht oder Chinesisch-AGs, sondern um die Grundversorgung mit Lehrern und Lernmitteln.

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Der Traum von Null Müll

SWR2

Die Deutschen fühlen sich als Mülltrennungsweltmeister, aber von einer Kreislaufwirtschaft ist das Land weit entfernt. Neue Gesetze und neue Sortieranlagen sollen die Recyclingquoten verbessern. Wie realistisch ist der Traum von „Zero Waste“?

Der Joghurtbecher aus Plastik, Aluminium und Papier, er ist in Deutschland nicht nur eine Verpackung. Er ist ein Symbol. Ein Symbol für das gut gemeinte deutsche Mülltrennungswesen, das oft wie ein Schildbürgerstreich wirkt. Einen leeren Joghurtbecher korrekt wegzuwerfen ist eine Wissenschaft für sich. 

Doch die Mülltrennungsmoral sinkt. Verpackungen, Restmüll und Küchenabfälle geraten durcheinander. Von der viel beschworenen Kreislaufwirtschaft ist Deutschland weit entfernt. Etwa die Hälfte der Haushaltsabfälle landet in der Verbrennung. Fast eine Million Tonnen Altplastik wurden bis vor kurzem nach China exportiert

Von wegen Namen tanzen

Ein Besuch in der Waldorf School of the Peninsula, die eine Oase in der technikzentrierten Welt des Silicon Valley darstellt.

(Anmerkung: Dies ist die Originalfassung eines Textes, von dem Teile in dem Artikel Nächste Stunde: Namen tanzen der ZEIT vom 28. August 2019 verwendet wurden.)

Das Facebook-Hauptquartier liegt eine Viertelstunde nördlich, der Apple-Campus eine Viertelstunde südlich. Und zum Googleplex kann man zu Fuß gehen. Die Waldorf School of the Peninsula befindet sich im Zentrum von Silicon Valley, und aus den Mitarbeitern der Tech-Konzerne rekrutiert sich ein großer Teil der Elternschaft. Es scheint fast so, als wollten die Menschen, die in ihrer täglichen Arbeit immer neue Gadgets und Online-Ablenkungen erschaffen, ihre eigenen Kinder von diesen Produkten fernhalten und sie in einer technikfreien Schutzzone aufwachsen lassen.

„Wir sind nicht gegen Technik, wir sind für den richtigen Einsatz von Technik“, sagt Pierre Laurent, der Vorsitzende des Beirats der Schule. Und das bedeutet konkret: Nicht nur die Handys der Schüler müssen ausgeschaltet im Rucksack bleiben, bis zur 10. Klasse sind auch Computer im Unterricht tabu. Entsprechend der Waldorf-Philosophie lernen die Jugendlichen vorwiegend anhand von Primärquellen und ohne Schulbücher.

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Soll Geschichte ausgelöscht werden?

FAZ

Als Victor Arnautoff 1936 dreizehn Fresken über das Leben George Washingtons für eine High School schuf, illustrierte er auch die Schattenseiten des amerikanischen Säulenheiligen. Darüber ist nun ein erbitterter Streit entbrannt.

San Francisco hält sich gern für die toleranteste Stadt der Welt. Hier nahm die Hippiebewegung ihren Ausgang, hier wagten es Homosexuelle erstmals, öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen. Wenn im Schwulen-Stadtteil Castro am hellichten Tag ein splitternackter Mann in der Sonne flaniert, dann schaut kaum ein Passant von seinem Smartphone auf. Was nicht so viele wissen: Schon vor dem Sommer der Liebe gab es in San Francisco radikale politische Bewegungen. In den dreißiger Jahren war die Stadt eine Hochburg der Arbeiterbewegung. Und ein Kunstwerk aus dieser Zeit hat nun angeblich eine derart verstörende Wirkung auf Jugendliche, dass es dem Blick der Öffentlichkeit entzogen wird. Zeitweise sollte es sogar übermalt und damit zerstört werden ...

Radiobeitrag auf SRF2 Kultur

Barbara Stauffacher Solomon – die «Supergrafikerin» mit Schweizer Background

SRF2 Kultur

Barbara Stauffacher Solomon prägte mit ihrer Grafik den Look des legendären Aussteigerprojekts Sea Ranch in Kalifornien. In die Lehre ging sie in Basel.

Barbara Stauffacher Solomon kam 1955 mit ihrer Mutter und ihrer dreijährigen Tochter nach Basel. Die junge Künstlerin, damals war sie 27, hatte gerade einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Ihr Ehemann war unerwartet gestorben. In der Schweiz suchte sie Halt für ihr aus den Fugen geratenes Leben – und fand ihn bei den strengen modernen Gestaltern an der Kunstgewerbeschule